Das Gottesackerplateau

direkt oberhalb vom Alpenhotel Küren im Kleinwalsertal

Gottesackerplateau

Das Gottesackerplateau befindet sich an der nordwestlichen Grenze des Kleinwalsertals in der Nähe des Hohen Ifen. Es ist eine unter Naturschutz stehende Karstlandschaft. Geologisch besteht das Gottesackerplateau aus Schrattenkalk aus der Zeit des Helvetikums während der Kreidezeit.

Niederschläge und Schneeschmelze haben so genannte Karren an der Plateauoberfläche herausgearbeitet. Das Wasser läuft unterirdisch zu Karstquellen ab, die wiederum über die Subersach in Bodensee und Rhein abfließen. Im Karst entstanden zahlreiche Höhlen, wie die Schneckenlochhöhle oder die 77 m tiefe Schachthöhle Hölloch. Auch beherbergt das Plateau seltene Pflanzenarten.

Der Gottesacker wird in die "Unteren" (1.858m) und "Oberen" (2.033m) Gottesackerwände unterteilt. Das Massiv der Oberen Gottesacker wird - von Riezlern aus betrachtet - auch "Sonnenberg" genannt.

Sagen vom Gottesacker

Die Drachenabfuhr an den Gottesackerwänden

Gottesackerplateau

In der Gegend um die Gottesackerwände hausten in Urzeiten sieben schreckliche Drachen. Weder Mensch noch Vieh konnten sich in diesem Gebiet halten, obwohl gerade diese Weiden besonders grasreich und gut gewesen wären. Überdies bargen die umliegenden Berge eine Menge Gold. Goldsuchenden Venedigern ist es schließlich gelungen, die Drachen zu vertreiben.

Den Venedigern war die Goldgier der Drachen wohlbekannt. Sie wussten auch, dass die dummen Ungeheuer nichts vom Goldreichtum der Felsen ahnten, auf denen ihre Horste lagen. Der Venedigerkönig schickte nun die sieben größten "Lügenschüppel" seines goldschürfenden Volkes als Abgesandte zu den Drachen.

Sieben Tage und Nächte redeten jene auf die sieben Drachen ein und schilderten ihnen die Herrlichkeit des Landes Arabien in den verlockendsten Farben. Dort habe es Überfluss an glänzenden Perlen und blitzenden Edelsteinen. Schließlich tropfte dem ersten Drachen vor Gier der Geifer über die Lefzen, und er erhob sich von seinem Horst.

Sogleich standen auch der zweite und der dritte auf, und am Ende schlugen alle sieben mit den Flügeln. Das war das Zeichen, dass sie in das ferne Land Arabien fliegen wollten. Als die Drachen ihre großen schwarzen Flügel ausbreiteten, ward die Sonne verfinstert. Durch den gewaltigen Luftzug, der entstand, gerieten Berge ins Rutschen und ganze Wälder wurden entwurzelt.

Nun kann ein Drache bekanntlich nur solange in sein Nest zurückkehren, als er mit einem Glied seines Leibes mit diesem verbunden ist. Da sich nun aber wirklich alle sieben in die Luft erhoben hatten, stand es fest, dass sie den großen Flug angetreten hatten, und dass das Land für immer von ihnen befreit war.

Zunächst gehörte nun allerdings das ganze Gebiet den klugen Venedigern, die es ausbeuteten. Erst als sie das letzte Körnlein Gold geschürft hatten, zogen sie ab. Später sind andere Menschen hier ansässig geworden. Die Wände aber sehen immer noch aus, wie uralte Drachenhorste.

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Die "verwunschene" Alpe

Ifen

Da, wo sich zwischen dem hohen Ifen und den Gottesackerwänden das kahle, felsige Ifenkar, der Gottesacker genannt, ausdehnt, eine entsetzliche Steinwüste ohne Gräslein und Strauch, befand sich einstens eine schöne, sonnige Alpe mit üppigen Weiden und kostbaren Futterkräutern.

Der reiche Ertrag an Käs und Butter machte aber die Sennen hartherzig gegen die Armen. Da kam einmal ein alter armer Mann in die Hütte und bat um etwas Schmalz. Der Senn nahm die dargebotene "Spatel", füllte sie voll Arglist mit Mist und strich nur oben darauf etwas Butter. Kaum hatte der Greis aber die Alpe verlassen, so versank die Hütte mit Mensch und Vieh, und die Alpe verwandelte sich in das wüste wilde Felsenkar. Viele glaubten, der arme Mann sei Christus der Herr selbst gewesen.

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